Westfälische
Rundschau:
Schöner
wohnen in Frieden
Unna. (rgs)
Wehmut ? – „Nein, nein. Wir können doch froh sein,
dass das jetzt alles abgerissen wird “, sagt Kasernen-Nachbar
und –Experte Siegfried Haupt (72): „Wir brauchen doch keine
Kasernen, wir brauchen Frieden.“
Vor 70 Jahren von
Strafgefangenen aus Russland und Frankreich erbaut, fielen ges-tern
die ersten Mauern der Hellweg-Kaserne an der Iserlohner-Straße.
„Das ist unser Jahrgang“, rief Haupt seinem Nachbarn zu,
„die hauste nicht so schnell um.“ Und wahrhaftig hatte Bürgermeister
Volker Weidner auf dem PS-starken Caterpilar selbst mit Unterstützung
des Baggerführers seine liebe Mühe, die ersten Wände
der soliden Bauten direkt an der Straße einzureißen. In
wenigen Wochen soll hier schon der Lidl-Markt gebaut werden.
„Ich bin hier gern zur Arbeit gegangen“, berichtet derweil
Erich Kaiser – 25 Jahre lang hat er als Zivilangestellter „Kommandeure
chauffiert“. Da komme in einem Augen-blick wie diesen schon „ein
bisschen Wehmut“ auf, „vor allem aber, weil ich hier groß
geworden bin“. Als Kind hat man hier gespielt und als die Belgier
hier waren, konnten wir sogar das Schwimmbad benutzen“. Jede Ecke
kennt er hier, der heute 62-jährige. Und wenn der Wohnpark-Süd
kommt? – Kaiser sieht´s ganz pragmatisch: „Dann können
wir endlich auch hier oben einkaufen und müssen nicht alles aus
der Stadt hoch schlören.“
Zustimmendes Nicken bei seinen Nachbarn, die allesamt gestern zum Anfang
vom Ende einer ausgedienten Kaserne eingeladen waren. Wie auch Heinz
Neuzerling (62), Oberstabsfeldwebel aD, 18 Jahre in der Hellweg-Kaserne
gedient und so manches Erlebnis bei den Feldjägern gehabt.
Der Abriss sei „ ganz positiv “ – „die beste
Lösung.“
Schließlich ist Unnas Zeit als Divisionsstandort längst vergessen:
1 200 bis 1 500 Soldaten in besten Zeiten 500 allein an der Iserlohner
Straße. Bis 75 dann wurde abgebaut, 95/96 geschlossen und jetzt
abgerissen –alles für „Schöner wohnen in Frieden“.
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Erich
Kaiser vor seinem früheren
Spiel- und Arbeitsplatz |
Die haut so leicht keiner um, diese Kasernenmauern. Bürgermeister
Volker Weidner riss gestern ein Stück heraus und gab damit den Startschuss
für den Wohnpark-Süd.
Bilder: Dittrich/rgs |

Das war einmal: Soldaten
marschieren – vor etwa 30 Jahren – auf dem Gelände
der Hellwegkaserne.
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